Anwendung

Felsabbruch ohne Sprengen und ohne Erschütterung

Baugruben, Leitungsgräben, Wegebau und Nachprofilierungen: Wie Fels mit Quellsprengstoff kontrolliert gelöst wird – Bohrbild, Verbrauch und Erfahrungswerte.

Bohrdurchmesser
30–45 mm, typisch 38–40 mm
Bohrlochabstand
8–12 × Bohrlochdurchmesser
Verbrauch
ca. 1 kg auf 0,55 l Bohrlochvolumen
Wartezeit
8–24 h bis zur Rissbildung

Ausgangslage

Wenn Sprengen und Hämmern ausfallen

Fels im Baugrund ist selten dort, wo er niemanden stört. Baugruben grenzen an bestehende Gebäude, Leitungsgräben verlaufen neben Versorgungsleitungen, Erschliessungswege führen durch Steilhänge über bewohnten Lagen. In all diesen Fällen sind die klassischen Wege eingeschränkt: konventionelles Sprengen scheitert an Genehmigung, Sicherheitsabständen und Erschütterungsnachweisen, der Hydraulikhammer an Lärmauflagen, Zugänglichkeit oder an der Sorge um Risse in der Nachbarbebauung.

Quellsprengstoff löst Fels über langsamen Druckaufbau im Bohrloch. Es entsteht keine Druckwelle, kein Steinflug und keine messbare Erschütterung. Damit lässt sich auch unmittelbar neben Bestandsbauten, unter Fundamenten, in Hanglagen und in Tunneln arbeiten.

Kontrolliert gespaltener Felsblock im Wohngebiet ohne Sprengung
Felsblock im Wohngebiet – gespalten ohne Erschütterung und ohne Sperrzone.
Fels spalten in enger Baugrube direkt neben einem Gebäude
Enge Baugrube direkt an bestehender Bausubstanz.

Vorgehen

Felsabbruch Schritt für Schritt

  1. 01

    Trennlinie festlegen

    Abbruchkante bzw. Sollprofil anzeichnen. Vorhandene Klüfte und Schichtflächen nutzen: Bohrungen parallel zur gewünschten Rissebene setzen.

  2. 02

    Bohrbild ausführen

    Reihenbohrungen mit 30–50 cm Abstand, bei sehr zähem Fels enger. Bohrtiefe 80–95 % der zu lösenden Höhe, Bohrungen möglichst parallel.

  3. 03

    Bohrlöcher reinigen

    Bohrmehl ausblasen, Wasser entfernen. Bei stark klüftigem Fels grössere Hohlräume vorher verschliessen, damit das Material nicht abfliesst.

  4. 04

    Anmischen und füllen

    Mit kaltem Wasser nach Vorschrift anmischen und die Bohrlöcher zügig vollständig füllen. Bei liegenden oder schrägen Bohrungen Fülltechnik anpassen.

  5. 05

    Abwarten und abtragen

    Nach 8–24 Stunden hat der Fels aufgerissen. Segmente mit Bagger, Sortiergreifer oder Zange lösen und abtransportieren, Restfüsse nachbohren.

Einsatzfelder

Typische Projekte

  • Baugrubenaushub in Fels neben bestehender Bebauung
  • Leitungs- und Kanalgräben in felsigem Untergrund
  • Erschliessungs- und Forstwege in Steilhängen
  • Nachprofilierung von Tunneln, Stollen und Schächten
  • Felskopfabtrag zur Hangsicherung und Steinschlagprävention
  • Aushub in Skigebieten und alpinem Gelände ohne Maschinenzugang
  • Fels im Bereich von Bahnanlagen und Verkehrswegen unter Betrieb
  • Gewinnung von Natursteinblöcken mit geringer Rissschädigung

Bewertung

Vorteile und Grenzen beim Felsabbruch

Vorteile

  • +Keine Sprenggenehmigung und keine Evakuierung des Umfelds
  • +Keine Erschütterungen an angrenzenden Bauwerken
  • +Arbeiten in engen Baugruben, Schächten und Innenbereichen möglich
  • +Sehr geringer Geräteeinsatz – Bohrgerät, Rührwerk, Wasser
  • +Nachbarschaftsverträglich: kein Knall, kaum Staub, kein Steinflug

Grenzen

  • Bohrleistung im Hartgestein bestimmt Zeitplan und Kosten
  • Ergebnis erst am Folgetag – Bauablauf muss die Wartezeit einplanen
  • Stark klüftiger, wasserführender Fels erfordert Zusatzaufwand
  • Bei sehr grossen Tagesvolumen ist Sprengen wirtschaftlicher

Ausführlicher Methodenvergleich: alternative Abbruchmethoden. Grundlagen zum Verfahren: Quellsprengstoff.

FAQ

Häufige Fragen zum Felsabbruch

+Welcher Bohrlochabstand ist bei Fels sinnvoll?

Als Richtwert gilt ein Abstand von 8 bis 12 Bohrlochdurchmessern. Bei 40 mm Bohrungen sind das etwa 30 bis 50 cm. In zähem, ungeklüftetem Fels wird enger gebohrt, in geklüftetem Material kann der Abstand grösser gewählt werden.

+Funktioniert das Verfahren in Granit und Basalt?

Ja. Hartgesteine wie Granit, Gneis, Basalt oder Quarzit lassen sich gut spalten, weil ihre Zugfestigkeit deutlich unter dem erreichbaren Bohrlochdruck liegt. Entscheidend ist ein sauber ausgeführtes Bohrbild über die gesamte Blockhöhe.

+Ist Felsabbruch mit Quellsprengstoff auch im Winter möglich?

Ja, mit der für tiefe Temperaturen ausgelegten Produktvariante und wärmegedämmten Bohrlöchern. Unter etwa 5 °C Gesteinstemperatur verlängert sich die Reaktionszeit deutlich; die Bohrlöcher sollten dann abgedeckt werden.

+Wie tief soll gebohrt werden?

Sinnvoll ist eine Bohrtiefe von etwa 80 bis 95 Prozent der zu trennenden Höhe. Zu kurze Bohrungen führen zu Restfüssen, die nachgearbeitet werden müssen.

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