Grundlagen

Quellsprengstoff: Fels und Beton spalten ohne Detonation

Wirkprinzip, Geschichte, Anwendungsbereiche und Grenzen eines Verfahrens, das seit den 1970er-Jahren dort eingesetzt wird, wo Sprengen und Hämmern nicht möglich sind.

Wirkdruck
über 5 000 t/m² Ausdehnungsdruck
Reaktionszeit
8–24 Stunden je nach Temperatur
Bohrdurchmesser
typisch 30–45 mm
Erschütterung
keine – kein Splitterflug, kein Knall

Wirkprinzip

Wie Quellsprengstoff arbeitet

Quellsprengstoff ist ein feingemahlenes, mineralisches Pulver auf Basis von Calciumoxid und weiteren Zuschlagstoffen. Mit Wasser angemischt entsteht ein giessfähiger Brei, der in vorgebohrte Löcher eingefüllt wird. Während der Hydratation bilden sich Calciumhydroxid-Kristalle, deren Volumen grösser ist als das der Ausgangsstoffe. Weil das Bohrloch dieser Ausdehnung keinen Raum lässt, baut sich ein enormer radialer Druck auf – bei ausreichender Bohrlochtiefe und richtigem Abstand deutlich mehr, als die Zugfestigkeit von Fels oder Beton aufnehmen kann.

Das Material reisst deshalb entlang der Bohrlochachse auf. Der Vorgang läuft langsam, geräuschlos und ohne Erschütterung ab: kein Knall, keine Druckwelle, kein Steinflug. Für den Anwender ist der Ablauf planbar, weil sich Rissbildung und Öffnungsweite über Bohrbild und Bohrlochabstand steuern lassen.

Statt einer Detonation, die Energie in Millisekunden freisetzt, wirkt hier Druck über Stunden. Genau das macht das Verfahren in bewohntem Gebiet, in Gebäuden, unter bestehenden Bauwerken und in Sicherheitsbereichen einsetzbar.

Geschichte

Von den 1970er-Jahren bis heute

Die Idee, das Quellverhalten von Branntkalk technisch zu nutzen, ist alt: bereits im Steinbruchbetrieb der Antike wurden Holzkeile mit Wasser zum Quellen gebracht, um Blöcke zu spalten. Industriell nutzbare Quellmörtel entstanden in den 1970er-Jahren, als in Japan und Europa parallel Rezepturen entwickelt wurden, die einen kontrollierten, reproduzierbaren Druckaufbau ermöglichten.

Die Grundlagen der KUBATEC BMT AG wurden in dieser Zeit gelegt. Aus dem Bedarf des Abbruchgewerbes nach einem Verfahren ohne Sprenggenehmigung entstand BETONAMIT® – heute eine der weltweit etablierten Marken für Quellsprengstoff, ergänzt durch ROCKSPLIT® für den Felsbereich. Produziert und geprüft wird im Fürstentum Liechtenstein; geliefert wird in über 60 Länder.

Ein prägender früher Einsatzbereich war der Rückbau von Stahlbetonbauwerken in dicht bebautem Umfeld. Wo Sprengungen ausgeschlossen und Hydraulikhämmer wegen Lärm, Erschütterung und Zugänglichkeit ungeeignet waren, bot das stille Spalten eine praktikable Alternative – ein Argument, das mit strengeren Immissionsvorschriften über die Jahrzehnte an Gewicht gewonnen hat.

Ablauf

Anwendung in fünf Schritten

  1. 01

    Bohrbild planen

    Bohrlochabstand nach Material und gewünschter Stückgrösse festlegen: in Fels typisch 8–12 × Bohrlochdurchmesser, bei armiertem Beton engere Abstände und Bohrungen entlang der geplanten Trennfuge.

  2. 02

    Bohren und reinigen

    Bohrungen möglichst parallel und über die gesamte Bauteilhöhe ausführen. Bohrmehl und Wasser entfernen – ein sauberes, nicht wassergefülltes Bohrloch verbessert die Druckübertragung.

  3. 03

    Anmischen

    Kaltes Anmischwasser nach Herstellerangabe exakt dosieren und mit dem Rührwerk zu einem klumpenfreien, giessfähigen Brei mischen. Zu viel Wasser reduziert den erreichbaren Druck deutlich.

  4. 04

    Einfüllen

    Bohrlöcher zügig und vollständig füllen, bis kurz unter die Oberkante. Verarbeitungszeit beachten: das Material soll im Bohrloch, nicht im Eimer reagieren.

  5. 05

    Reaktion abwarten

    Bereich absichern und 8–24 Stunden nicht belasten. Nach dem Aufreissen wird das Material mit Bagger, Zange oder von Hand zerlegt und abgeführt.

Einsatzbereiche

Wo Quellsprengstoff eingesetzt wird

  • Felsabbruch für Baugruben, Leitungsgräben und Wegebau
  • Findlinge und Felsbrocken in Landwirtschaft und Landschaftsbau
  • Fundamente, Betonsockel und Maschinenfundamente in Industriehallen
  • Rückbau von Stahlbetonwänden und -decken in bewohnten Gebäuden
  • Naturstein- und Blockgewinnung mit geringer Materialschädigung
  • Arbeiten in Tunneln, Schächten und unter Tage ohne Sprengschwaden
  • Einsätze in Sicherheitsbereichen, Kraftwerken und Chemieanlagen
  • Bergung und Zerlegung von Beton- und Gesteinsteilen bei Havarien

Vertiefende Praxisseiten mit Bohrbildern und Erfahrungswerten: Felsabbruch, Findlinge zerkleinern und Beton zerkleinern.

Bewertung

Vorteile und Grenzen

Vorteile

  • +Keine Detonation, kein Knall, keine Druckwelle und kein Steinflug
  • +In der Regel keine Sprenggenehmigung und kein Sprengberechtigter nötig
  • +Erschütterungsfrei – auch neben bestehender Bebauung und empfindlicher Technik
  • +Geringer Geräteaufwand: Bohrmaschine, Rührwerk, Wasser
  • +Sehr gut steuerbare Trennlinien über das Bohrbild
  • +Auch in engen, geschlossenen oder schwer zugänglichen Bereichen einsetzbar

Grenzen

  • Reaktionszeit von mehreren Stunden – erfordert Bauablaufplanung
  • Bohrarbeiten sind Voraussetzung und bestimmen den Aufwand
  • Bei sehr grossen Tageskubaturen weniger wirtschaftlich als Sprengen
  • Materialverbrauch skaliert direkt mit dem Bohrlochvolumen
  • Anwendung an ein Temperaturfenster und die passende Produktvariante gebunden

Sicherheit

Was bei der Verarbeitung zu beachten ist

Quellsprengstoff ist stark alkalisch. Schutzbrille, Handschuhe und geschlossene Kleidung sind zwingend, insbesondere beim Anmischen und Einfüllen. Gefüllte Bohrlöcher dürfen nicht über der Kopfhöhe stehend eingesehen werden: Bei ungünstigen Bedingungen kann Material aus dem Bohrloch austreten. Bohrlöcher niemals verschliessen oder verstopfen.

Angemischtes Material, das nicht mehr verarbeitet wird, muss ausgehärtet und als mineralischer Bauabfall entsorgt werden. Sicherheitsdatenblätter und Gebrauchsanweisungen für die einzelnen Länder stellen wir auf den Produktseiten als Download bereit.

FAQ

Häufige Fragen zu Quellsprengstoff

+Was ist Quellsprengstoff?

Quellsprengstoff ist ein pulverförmiges, zementartiges Material, das mit Wasser angemischt und in Bohrlöcher eingefüllt wird. Beim Abbinden vergrössert es sein Volumen und erzeugt im Bohrloch einen Sprengdruck von mehreren hundert Bar, der Fels oder Beton kontrolliert aufreisst. Es findet keine Detonation statt – die Kraft entsteht rein chemisch-physikalisch durch Kristallwachstum.

+Ist Quellsprengstoff ein Sprengstoff im rechtlichen Sinn?

Nein. Quellsprengstoff enthält keine explosiven Bestandteile und detoniert nicht. Er gilt in den meisten Ländern nicht als Sprengmittel, weshalb keine Sprenggenehmigung und kein Sprengberechtigter erforderlich sind. Verbindlich sind immer die nationalen Vorschriften am Einsatzort.

+Wie lange dauert es, bis der Fels aufreisst?

Je nach Material, Bohrlochdurchmesser und Temperatur zeigen sich erste Risse meist nach 8 bis 24 Stunden. Bei tiefen Temperaturen verlängert sich die Reaktionszeit, bei hohen Temperaturen verkürzt sie sich.

+Welche Temperaturen sind zulässig?

Üblich ist ein Anwendungsfenster von etwa 5 bis 35 °C Gesteinstemperatur. Für kalte und warme Bedingungen gibt es unterschiedliche Produktvarianten; bei zu warmem Anmischwasser oder zu heissem Gestein kann das Material vorzeitig reagieren.

+Wie viel Material wird benötigt?

Der Verbrauch ergibt sich aus dem Bohrlochvolumen. Als Richtwert gilt: rund 1 kg Pulver füllt etwa 0,55 Liter Bohrlochvolumen. Ein Bohrloch mit 40 mm Durchmesser und 1 m Tiefe benötigt somit etwa 2,3 kg.

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Wir unterstützen bei Bohrbild, Mengenermittlung und Produktwahl – vom Einzelfindling bis zum industriellen Rückbau.